Nun gut, ganz so wie im Kinderlied ist es nicht, doch begleitet das Ereignis schon eine gewisse Tradition, die alle paar Jahre wiederkehrt. Es sind dies die Tarifvertragsverhandlunge n der deutschen Dienstleistergewerkschaft ver.di. Tarifverträge sind das deutsche Pendant zu den österreichischen Kollektivverträgen, also Abmachungen zwischen gewissen Arbeitnehmer und -geber Interessensvertretungen betreffend dem Mindestlohn in der Branche und gewissen Versicherungs-, Zusatz- und Pensionskassenleistungen.
Dass sich die Interessen der verschiedenen Vertretungen natürlich so gut wie diametral gegenüberstehen, ist augenscheinlich, denn je besser die Arbeitsbedingungen für die Angestellten, desto geringer die Gewinnmarge der Unternehmer -zumindest vereinfacht, kann man das so darstellen.
Deshalb verdienen die zähen und scharfen Verhandlungen um jeden hundertstel Prozentpunkt Lohnerhöhung zu Recht die Bezeichnung Arbeitskampf, zumal dieselben nicht selten von Streiks und anderen Maßnahmen begleitet werden.
Doch nicht nur Lohnerhöhungen und Arbeitszeiten sind Streitpunkte dieser Auseinandersetzungen, nein, vor allem viele gesundheitliche Nebenleistungen sowie Versicherungen der Arbeitnehmer sollen meist gekürzt und heruntergeschraubt werden, oftmals eben unter Aspekt allgemein höherer Gehälter.
Das stellt sich immer als ein geschickter Schachzug der Arbeitgebervertreter heraus, da eben viele -gerade junge, ledige- Arbeiter lieber auf Arztkostenersatz oder Ähnliches verzichten, solange sie dafür mehr Gehalt beziehen. Somit wird ein Keil in die Gewerkschaften getrieben, die in Befürworter und Gegner aufgespalten werden, was natürlich die generelle Verhandlungsposition merklich schwächt. Weiß man nicht die volle Unterstützung der Vertretenen hinter sich, kann man seine Legitimation schwerer begründen, bestes Beispiel war die Rot-Schwarze Regierung Gusenbauer.
Deshalb bedarf es umso mehr einiger engagierter Kämpfer für längerfristige und nachhaltigere Maßnahmen, als das bloße Nettogehalt. So tun sich oft Gewerkschafter aus ganz kleinen Unternehmen oder winzigen Städten hervor, weil sie sich ihre Gesundheit nicht abkaufen lassen wollen. So müssen einige ursprünglich kleine Funktionäre für den Zahnersatz Berlin besuchen, um dort den realitätsfremden Verhandlern wieder ein Stück soziale Wirklichkeit vor Augen zu halten.